Mittwoch, 21. September 2016

Wenn ich zu einem volksfest gehe...

Wenn ich zu einem Volksfest gehe,
kann ich immer aufs Neue versteh'n,
warum der Mensch mir so verhasst ist,
wie er schreit und wie er frisst.

Samstag, 6. August 2016

Die Nacht in ihrem stillen Schweigen...

Die Nacht in ihrem stillen Schweigen,
unvergänglich ist dein Stolz.
Ich liebe dich, in blauen Kleidern,
und respektiere deinen Trotz.

Lass mich nicht alleine leiden,
ich ahne dein Geheimnis schon.
Mein Geist ist deiner Ehe Sohn.
Du kannst ihn so nicht immer meiden.

Mittwoch, 20. April 2016

Не уж то свет на ней сошелся клином

Не уж то свет на ней сошелся клином,
или не знаешь чем себя занять?
Вся молодость пройдет ведь мимо...

К чертям всю молодость, коль жить невыносимо!
Коль надоело петь мне и играть.
Коль свет и впрямь на ней сошелся клином.

Freitag, 4. März 2016

И все же нам с тобою повезло...

И все же нам с тобою повезло,
мы столько, брат, с тобою отхватили.
Мне так тогда все было все равно.
Да и сейчас мне все равно, как мы прожили.

Sonntag, 1. November 2015

Niemals hat die Mutter Ruhe...

Niemals hat die Mutter Ruhe,
die ihre Tochter sah im Grab.
Die Liebeskummer, die ich hab'
sei nur unbequem wie neue Schuhe.

Ich bedauere Ihr'n Verlust sowie,
dass Sie noch nie entbrannten,
nie in 60 Jahren kannten,
was sie ist, die Liebeslust.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Zur Bedeutung der Kunst bei Friedrich Nietzsche. Teil 4. Abschließende Bemerkungen

"Eigentlich sollte ich einen Kreis von tiefen und zarten Menschen um mich haben, welche mich etwas vor mir selber schützten und mich auch zu erheitern wüßten: denn für einen, der solche Dinge denkt, wie ich sie denken muß, ist die Gefahr immer ganz in der Nähe, daß er sich selber zerstört."1

Der Welt, aus der die Wissenschaft die Geistigkeit vertrieben hat, die genauso wie ihr Gott "getötet" und zu einem physischen Mechanismus gemacht wurde, schenkt Friedrich Nietzsche ein neues Leben, neue Dynamik, die Dynamik eines Kunstwerkes, das noch nicht vollendet ist und niemals vollendet sein wird. Seine Theorie von der ästhetischen Rechtfertigung des Lebens hat er in die Praxis umgesetzt, er komponierte sein schriftliches Werk: "Sie hätte singen sollen, diese 'neue Seele' - und nicht reden!",2 klagt er im "Versuch einer Selbstkritik" darüber, dass er nicht gewagt hat, in seinem Erstlingswerk "als Dichter"3 zu sprechen. Und Wiebrecht Ries bemerkt, dass in der "Zarathustra-Dichtung" erfüllt ist, "daß die Rede Musik wird, und dies in gleicher Weise wie der Gedanke Seele wird."4 Nietzsches Leben wurde wie eine Tragödie aus dem Geiste der Musik, die ihn sein Leben lang inspirierte,5 geboren.

"Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" vernichtet Nietzsches Karriere, weil die Behauptungen wie, dass die Existenz nur eine "Theateraufführung" im Bewusstsein eines mythischen Wesens, „provozierend gemeint [sind], aber sie […] einen unbeabsichtigten Zweifel an der Nüchternheit und Zuverlässigkeit des Autors als humanistischen Gelehrten"6 provozieren. "Die Wahrheit ist häßlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehn.",7 heißt es 1888. Dennoch geht er an der dionysischen Wahrheit zu Grunde und erleidet einen Zusammenbruch.8 "Das Finale im Wahnsinn verlieh dem Werk rückwirkend eine dunkle Wahrheit: da war offenbar jemand ins Geheimnis des Seins so tief eingedrungen, daß er darüber den Verstand verloren hatte."9 Nietzsches Schwester Elisabeth, die noch zu Lebenszeiten seines Bruders alle Rechte auf seine Werke bekommen hat, hat sich nach seinem Zusammenbruch um die Ausgabe seiner Schriften gekümmert10 und ein Nietzsche-Archiv eröffnet.11 Bereits 1893 war die Nachfrage nach Nietzsches Büchern "sprunghaft angestiegen".12

Also hat die dionysische Selbstzerstörung eines Philosophie-Künstlers etwas Neues hervorgebracht: sein Werk.

  1. Nietzsche, Friedrich: Die nachgelassenen Fragmente. Eine Auswahl. Hg. v. Günter Wohlfart. Stuttgart 1996, 170.
  2. Nietzsche, Friedrich: Die Geburt der Tragödie. In: Friedrich Nietzsche. Kritische Studienausgabe. Hg. v. Giorgio Colli / Mazzino Montinari. 2. Aufl. Bd. 1. München 1999, 15.
  3. Ebd., 15.
  4. Ries, Wiebrecht: Nietzsche für Anfänger. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Eine Lese- Einführung von Wiebrecht Ries. München 1999, 138.
  5. Vgl. ebd., 18.
  6. Hayman, Ronald: Friedrich Nietzsche. Der mißbrauchte Philosoph. Übers. von Egbert von Kleist. München 1985, 187.
  7. Nietzsche, Die nachgelassenen Fragmente. Eine Auswahl, 279.
  8. Vgl. Hayman, Friedrich Nietzsche, 439.
  9. Safranski, Nietzsche, 331.
  10. Vgl. Hayman, Friedrich Nietzsche, 537 f.
  11. Ebd., 454.
  12. Ebd., 454.